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Alejandro Jodorowsky
Bisher im Windpferd-Verlag erschienene Bücher:
In anderen Verlagen:
„Wo ein Vogel am schönsten singt“ (Roman), dt. von Peter Schwaar, Suhrkamp/Insel
ISBN 978-3-518-39342-0
DVDs:
„The Films of Alejandro Jodorowsky“
(Fando y Lis/El Topo/Holy Mountain)
Starz / Anchor Bay 2007
ASIN: B000NY1E9E
Weblinks:
www.alejandro-jodorowsky.de
Alejandro Jodorowskys offizielle
Webseite (spanisch)
deutsche Wikipedia
Jodorowsky-Filme (englisch)
Die Kunst der verrückten Weisheit
Wohl kaum jemand kann auf eine ähnlich schillernde und vielseitige Biographie zurückblicken wie der chilenische Weltbürger Alejandro Jodorowsky. Fragt man mehrere Personen, woher sie seinen Namen kennen, erhält man ganz unterschiedliche Antworten: „Ah, der Filmemacher!“ – „Der ist doch Szenarist für die Comics von Moebius und Georges Bess.“ – „Hat der nicht Bücher geschrieben?“ – „Ich kenne ihn als Schamanen und Psychomagier.“
Aus Chile in die Welt
Alejandro Jodorowsky lässt sich in keine Schublade pressen. Treu ist er nur sich selber und seinem Weg der Kunst und der Selbsterkenntnis. Am 7. Februar 1929 wurde er in Tocopilla, einem Provinzstädtchen in Nordchile, als Nachfahr jüdischer Emigranten aus Russland geboren. Mit Anfang Zwanzig ging er nach Paris, wo er in der Compagnie des Pantomimen Marcel Marceau arbeitete und kurzzeitig Kontakt zum surrealistischen Kreis um André Breton hatte. 1962 gründete er mit Roland Topor und Fernando Arrabal die „Panique“-Bewegung für experimentelles Theater – die Performances der Gruppe, durchaus nicht frei von blasphemischen und sado-masochistischen Szenen, sorgten für Skandale und Begeisterung. In Mexiko, seiner nächsten Station, setzte sich diese Tendenz fort. Er musste das Land schließlich wegen Morddrohungen verlassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon seine bekanntesten Filme geschaffen, „El Topo“ (1970) und „Montaña Sacra“ (1973). In beiden Filmen spielt Jodorowsky selbst die Hauptrolle. „El Topo“ ist ein Spaghetti-Western, oder wie Jodorowsky gern sagt, ein „Eastern“, mischt sich doch eine spirituelle Ebene mit fernöstlichem Hintergrund in den wilden Verfolgungs- und Racheplot. In „Montaña Sacra“ ist die Verarbeitung esoterischer Symbole von Astrologie über Kabbala bis Taoismus noch viel deutlicher – diesen Kult-Film der Hippies, in dem er als Alchemist eine Gruppe von neun Adepten zu einem heiligen Berg führt, konnte Jodorowsky auf Empfehlung von John Lennon und Yoko Ono mit Geld von Allen Klein drehen. Kurz darauf zerwarf sich der Künstler jedoch mit seinem Produzenten, der daraufhin für über drei Jahrzehnte den Vertrieb seiner Filme blockierte.
Von der Kunst zur Heilkunst
Doch Alejandro Jodorowskys überbordender Vorstellungskraft konnte dies keinen Einhalt gebieten: Sein täglich Brot verdiente er sich als Szenarist für Comics (John Difool, Der weiße Lama, Die Meta-Barone), er schrieb Romane, Theaterstücke, Sachbücher und Gedichte und sammelte Erfahrungen mit Schamanen und seinem japanischen Zen-Lehrer Eko Takata. Auf dem Weg der Erkenntnis wurde ihm die Unterstützung seiner Mitmenschen immer wichtiger. Vor inzwischen rund 20 Jahren rief er in Paris sein „Mystisches Kabarett“ ins Leben, wöchentliche Gratis-Veranstaltungen, auf denen er vom Buddhismus oder schamanischen Ritualen erzählt, die Tarotkarten legt oder nach der von ihm entwickelten „Psychomagie“ theatralische Heilakte verordnet. In Frankreich und in der spanischsprachigen Welt strömen Hunderte von Menschen zu seinen Auftritten; bei den letzten Besuchen in seiner Heimat legte er selbst der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet die Karten. Der wilde, keine Tabus achtende und sich selbst auf der Bühne geißelnde junge Künstler ist zum weißhaarigen weisen Mann geworden – er interessiert sich nur noch für eine Kunst, die heilt.
Ein großer Berg verdeckt mit seinem Schatten ein kleines Dorf. Da kein Sonnenlicht zu ihnen durchdringt, wachsen die Kinder rachitisch heran. Eines schönen Tages sehen die Dorfbewohner den ältesten von ihnen zum Dorfausgang losmarschieren, in der Hand einen steinernen Löffel.
„Wohin gehst du?“, fragen sie ihn.
Er antwortet: „Ich gehe zum Berg.“
„Wozu?“
„Um ihn abzutragen.“
„Womit?“
„Mit diesem Löffel.“
„Du bist verrückt! Das schaffst du nicht!“
„Ich bin nicht verrückt: Ich weiß, dass ich das nie schaffen werde, aber einer muss anfangen.“
Aus dem Vorwort von „Cabaret Místico“
