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Buddhismus
Religion und Lehrtradition, die auf Siddhartha Gautama (5. Jahrhundert v. Chr.) zurückgeht. Die Ursprünge des Buddhismus liegen in Nordindien. Schon bald nach Buddhas Tod zeigten sich verschiedenste Schwerpunkte, Ausprägungen und erste Abspaltungen. Eine von ihnen ist der Tibetische Buddhismus. Seine typischen Elemente sind die Schaubildentfaltung (Thangkas), verbunden mit Visualisierungen, Mantras, Tantra-Übungen, Ritualen, Einweihungen. Der tibetische Buddhismus legt besonderen Wert auf direkte Übertragung der Unterweisungen vom Lehrer auf den Schüler. Weitere Schulen sind Theravada („Der alte Weg“), Mahayana („Das große Fahrzeug“), Vajrayana/Diamantweg und das im China des 6. Jahrhunderts seinen Anfang nehmende „Chan“, im Japanischen Zen genannt, das die schweigende Sitzmeditation ins Zentrum des Übens stellt.
Informationen zu den unterschiedlichen buddhistischen Richtungen und Gruppen finden sich u. a. unter www.dharma.de sowie www.buddhismus.de. Einblicke in die buddhistische Gedankenwelt gibt u. a. die Zeitschrift Buddhismus aktuell.
In seiner ursprünglichen Form ähnelt nach westlichem Verständnis der Buddhismus eher einer Philosophie
als einer Religion. Buddha hat sich nie als Gott gesehen, dem die Lehre offenbart wurde, sondern betonte zeit seines Lebens, durch meditative Innenschau ein Verständnis von der Natur des Geistes und der Natur aller Dinge erkannt zu haben. Diese Erkenntnis ist aus buddhistischer Sicht jedem zugänglich, der seiner Lehre folgt. So unterscheidet sich der Buddhismus grundlegend von den monotheistischen Religionen (Christentum, Judentum, Islam). Im Buddhismus existiert kein Verständnis von einem allmächtigen Gott oder einer „Seele“. Buddhistische Lehrer warnen oft vor blinder Autoritätsgläubigkeit und heben stets die Selbstverantwortung des Menschen hervor.
Kernelemente der buddhistischen Lehre sind der Glaube an Wiedergeburt (Reinkarnation) und Karma (Ursache und Wirkung von Taten wie von Gedanken). Ziel ist, sich durch die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit vom ewigen Kreislauf des Leidens (Samsara) zu befreien und den ewigen Wechsel von geboren werden, sterben, wieder geboren werden, zu beenden. Auf diese Weise sollen Leid und Unvollkommenheit überwunden und durch Erleuchtung der Zustand des „Nirvana“ (der absoluten Leere) erreicht werden.
„Buddhistisch“ und Buddhismus

Woran denken Sie beim Thema „Buddhismus“?
Sicher fallen Ihnen spontan Bilder, Begriffe oder Begebenheiten ein, die Sie mit diesem Wort verbinden. Hier einige mögliche Antworten, die wir für Sie gesammelt haben:
- Meditation
- Dalai Lama
- Sitzkissen
- Buddha-Statuen
- Räucherstäbchen
- Frieden
- ärmellose rotbraune Roben
- Wiedergeburt
- Tibet
Rechts finden Sie eine kurze Zusammenfassung dessen, was unter „Buddhismus“ im Westen allgemein verstanden wird. Doch zunächst lassen wir einen der größten derzeit lebenden Lehrer zu Wort kommen:
Dzongsar Jamyan Khyentse
Er ist Leiter der angesehenen Dzongsar Mönchsschule und für die Ausbildung von 1600 Mönchen in Klöstern und Einrichtungen Asiens verantwortlich. Seine zweite Heimat ist Hollywood. Als Regisseur und Drehbuchautor reist er um die Welt, berät Schauspieler wie Richard Gere und Filmemacher wie Bernardo Bertolucci und hat des Öfteren interessante Begegnungen, wie zum Beispiel diese:
"Einmal bekam ich auf einem transatlantischen Flug einen Mittelsitz im Mittelblock, und der wohlwollende Herr neben mir bemühte sich freundlich zu sein. Er hatte aus meinem geschorenen Kopf und meiner braunen Robe geschlossen, dass ich Buddhist sei. Als das Essen serviert wurde, bot er mir rücksichtsvoll an, mir ein vegetarisches Gericht zubestellen. Er nahm an, dass ich als Buddhist kein Fleisch esse. Das war der Anfang unseres Gesprächs. Der Flug war lang, und um unsere Langeweile zu vertreiben, sprachen wir über Buddhismus. Mit der Zeit ist mir klar geworden, dass die Leute Buddhismus und Buddhisten oft mit Frieden, Meditation und Gewaltlosigkeit assoziieren. Und viele glauben tatsächlich, ein safranfarbenes oder rotbraunes Gewand und ein friedvolles Lächeln machten jemanden bereits zum Buddhisten. Als fanatischer Buddhist sollte ich auf diesen Ruf stolz sein, insbesondere auf den Aspekt der Gewaltlosigkeit, der in diesem Zeitalter des Krieges und der Gewalt – besonders der religiösen Gewalt – so selten ist. In der gesamten Geschichte der Menschheit scheint Religion Brutalität erzeugt zu haben. Selbst heutzutage dominiert religiös begründete extremistische Gewalt die Nachrichten. Doch ich glaube mit Fug und Recht sagen zu können, dass wir Buddhisten uns in dieser Hinsicht bislang keine Schande gemacht haben. Gewalt hat in der Verbreitung des Buddhismus niemals eine Rolle gespielt. Als geschulter Buddhist bin ich jedoch auch nicht ganz einverstanden, wenn der Buddhismus mit nichts anderem als mit Vegetarismus, Gewaltlosigkeit, Frieden und Meditation in Verbindung gebracht wird. Prinz Siddhârtha, der alle Annehmlichkeiten und allen Luxus des Palastlebens opferte, muss nach mehr als nach Passivität und Grünzeug gesucht haben, als er sich aufmachte, Erleuchtung zu finden. Auch wenn er in seiner Essenz recht einfach ist, lässt sich der Buddhismus doch nicht so leicht
erklären. Er ist von einer fast unbegreiflichen Komplexität, Weite und Tiefe. Und obwohl er weder religiös noch theistisch ist, ist es schwer, ihn zu präsentieren, ohne sich theoretisch und religiös anzuhören. Während der Buddhismus sich in verschiedene Regionen der Welt ausbreitete, nahm er die kulturellen Charakteristika dieser Gegenden an, und das macht es noch schwieriger, ihn zu entschlüsseln.
Theistisches Drum und Dran wie Räucherwerk, Glöckchen und bunte Hüte zieht die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich, kann aber gleichzeitig auch ein Hindernis sein. Die Leute glauben dann letztlich, dies alles mache den Buddhismus aus, und werden von seiner Essenz abgelenkt. Zum Teil aus Frustration darüber, dass die LehrenSiddhârthas für meinen Geschmack nicht genug ankommen, manchmal aber auch aus eigenem Ehrgeiz, trage ich mich mit dem Gedanken, den Buddhismus zu reformieren, ihn einfacher – unkomplizierter und puritanischer – zu machen.
Es ist abwegig und unangebracht sich auszumalen (und ich tue das manchmal), den Buddhismus auf genau definierte, berechnete Praktiken zu reduzieren, wie zum Beispiel dreimal am Tag zu meditieren, sich an eine bestimmte Kleiderordnung zu halten und bestimmten ideologische Glaubensätzen anzuhängen, wie etwa dem, dass die ganze Welt zum Buddhismus konvertiert werden müsse. Wenn wir versprechen könnten, dass solche Praktiken zu sofortigen und fassbaren Ergebnissen führten, gäbe es wahrscheinlich mehr Buddhisten in der Welt. Doch wenn ich mich von diesen Fantasien erhole (was ich selten tue), warnt mich mein nüchterner Verstand, dass eine Welt voller Menschen, die sich „Buddhisten“ nennen, nicht unbedingt eine bessere Welt wäre."
Auszug aus „Weshalb Sie kein Buddhist sind“, erscheint Anfang September im Windpferd Verlag.
